Psychosoziale Belastungen erkennen und handeln

Was hilft, wenn das Team dauerhaft am Limit arbeitet?
Unsere Arbeitswelt wird schneller und komplexer. Informationen sind jederzeit verfügbar, mehrere Aufgaben laufen parallel und Entscheidungen müssen oft kurzfristig getroffen werden. Künstliche Intelligenz kann dabei entlasten: Texte, Analysen oder Dokumentationen lassen sich schneller erstellen, auch komplexe Aufgaben werden leichter zugänglich.
Gleichzeitig steigen dadurch die Erwartungen an Tempo und Leistung. Auch die Bundesanstalt für Arbeitssicherheit und Arbeitsmedizin weist darauf hin, dass KI neben Chancen auch neue Belastungen mit sich bringen kann, wie etwa eine höhere Arbeitsintensität, mehr Komplexität und zusätzliche Verantwortung für die Kontrolle von KI-Ergebnissen.
Besonders spürbar ist der Druck in Kliniken, Behörden und sozialen Einrichtungen. Doch psychische Gesundheit wird in allen Arbeitsbereichen wichtiger: Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen laut DAK-Gesundheit um neun Prozent, während sie bei Atemwegserkrankungen um 21 Prozent zurückgingen. Damit waren psychische Erkrankungen erstmals die häufigste Ursache für Fehlzeiten.
Wenn Überlastung zum Dauerzustand wird
Eine kurzfristig intensive Phase lässt sich meist auffangen. Problematisch wird es, wenn die Erholung dauerhaft ausbleibt. Pausen fallen aus, Gespräche finden nur noch zwischen Tür und Angel statt und es werden zunehmend nur noch die dringendsten Aufgaben erledigt.
Chronische Überlastung kann sich unterschiedlich zeigen: Mitarbeitende werden gereizter, ziehen sich zurück, machen häufiger Fehler oder bringen weniger eigene Ideen ein. Führung sollte nicht erst reagieren, wenn Konflikte eskalieren oder Mitarbeitende ausfallen.
Drei Dinge, die Führung leisten kann
Prioritäten klären:
Was muss sofort erledigt werden? Was kann warten oder entfallen? Klare Entscheidungen entlasten ein Team mehr als der Appell, „alles zu schaffen“.
Entlastung organisieren:
Aufgaben können neu verteilt, Besprechungen verkürzt und unnötige Abstimmungsschleifen reduziert werden. Auch zusätzliche Unterstützung muss gegebenenfalls auf der nächsthöheren Ebene eingefordert werden.
Belastung ansprechen:
Ein Gespräch kann mit einer konkreten Beobachtung beginnen:
„Mir ist aufgefallen, dass Sie in letzter Zeit häufig länger arbeiten und sich weniger an den Teambesprechungen beteiligen. Wie erleben Sie Ihre aktuelle Arbeitssituation?“
Aktives Zuhören hilft, die Situation zunächst zu verstehen, statt vorschnell Lösungen oder Ratschläge zu geben.
Belastung sichtbar machen
Arbeitgeber sind verpflichtet, Arbeitsbedingungen zu beurteilen und dabei auch psychische Belastungen zu berücksichtigen. Im Mittelpunkt steht nicht die Bewertung einzelner Mitarbeitender, sondern die Frage, welche Arbeitsbedingungen Belastungen begünstigen und wie sie verändert werden können. Beschäftigte und Führungskräfte sollten in diesen Prozess mit einbezogen werden.
Hier setzt unser Psychosozialer Gefährdungsindex (PSGI) an. Wir führen eine umfassende Mitarbeitendenbefragung durch, werten die Ergebnisse fachlich aus und machen sichtbar, wo psychosoziale Belastungen und gegebenenfalls konkreter Handlungsbedarf bestehen. So entsteht eine fundierte Grundlage für die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung und für passende Maßnahmen.
Chronische Überlastung lässt sich nicht durch mehr Motivation lösen. Gute Führung bedeutet, Prioritäten zu klären, Entlastung zu organisieren und Belastungen frühzeitig anzusprechen. So können Teams auch unter schwierigen Bedingungen langfristig gesund und handlungsfähig bleiben.
Weiterführende Quellen:
DAK-Gesundheit (2026, 20. Juli):
Bundesanstalt für Arbeitssicherheit und Arbeitsmedizin (2026):



