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Faulheit oder Wandel? – Das Selbstverständnis der Gen Z in der Arbeitswelt

  • Autorenbild: IHR - Institut
    IHR - Institut
  • 3. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Erstveröffentlichung: Juli 2024 | Aktualisiert: Juli 2026


Die Generation Z prägt heute die Arbeitswelt - und das mit voller Wucht. Geboren zwischen Mitte der 1990er und Anfang der 2010er Jahre sind sie „Digital Natives“: die Generation, die mit Internet und Smartphones aufgewachsen ist und digitale Technologien so selbstverständlich nutzt wie keine zuvor.

Doch während Unternehmen händeringend nach jungen Talenten suchen, hält sich hartnäckig ein Vorurteil: Die Gen Z sei eine „faule Generation“. Sie wollen nicht wirklich arbeiten, heißt es, sondern streben nur nach Benefits wie 4-Tage-Woche oder Remote-Work. Doch ist das tatsächlich so - oder steckt hinter diesem Vorwurf ein grundlegender Wandel im Selbstverständnis von Arbeit?


Mehr als nur Bildschirmzeit

Die Annahme, die Gen Z sei faul, beruht oft auf Stereotypen und Pauschalisierungen. Ein Argument, mit dem sich die Digital Natives auseinandersetzen müssen, ist ihre angebliche Technologie-Abhängigkeit. Diese führe zu geringerer Belastbarkeit und einer geschmälerten Aufmerksamkeitsspanne. Es ist kaum zu leugnen, dass die Gen Z mit Technologie aufgewachsen und dementsprechend versiert ist. Doch das ist nicht zwangsläufig mit Faulheit gleichzusetzen. Stattdessen wissen Angehörige der Gen Z Technologie zu ihrem Vorteil zu nutzen, um effektiv und schnell zu arbeiten, sich zu vernetzen und Wissen zu teilen. Besonders im Umgang mit KI-Tools wie ChatGPT zeigt sich das: Was für viele ältere Arbeitnehmer:innen noch Neuland ist, gehört für Gen Z längst zum Arbeitsalltag - ein klarer Vorteil in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt. Die Nutzung neuer technologischer Hilfsmittel kann insofern als eine nützliche Anpassung an die Anforderungen einer modernen, sich schnell verändernden Arbeitswelt gesehen werden.


Grenzen setzen statt Ausbrennen

Verbreitet ist auch die Vorstellung, dass die Gen Z beispielsweise weniger bereit ist, Überstunden zu leisten. Die Gen Z strebt nach einer Work-Life-Balance: einem ausgewogenen und gesunden Lebensstil, der nicht ausschließlich von Arbeit geprägt ist. Während beispielsweise die Generation X oder Y noch von stressigen Arbeitsbedingungen, Überarbeitung und infolgedessen Burnout geprägt war, möchte die Gen Z solche Fehler vermeiden. Dafür verlangt die Gen Z von Arbeitgeber:innen Flexibilität und die Möglichkeit, Arbeit und Privatleben in Einklang zu bringen. Sie ist bereit, traditionelle Arbeitsweisen zu hinterfragen und treibt innovative Konzepte wie die 4-Tage-Woche aktiv voran - längst kein Nischenthema mehr, sondern in immer mehr Unternehmen gelebte Praxis. Das bedeutet nicht zwangsläufig Faulheit, sondern zeugt von dem Wunsch, aus früheren Erfahrungen zu lernen und Dinge zu verbessern.


„Man kann im Hamsterrad noch so fest treten, es bringt allenfalls Burnout und Krankenstand. Deshalb ist es durchaus positiv, die Arbeitswelt nicht so verbissen zu sehen und gewisse Prioritäten auf Freizeit beziehungsweise Familie zu legen“, sagte Prof. Dr. Christian Scholz, ehemaliger Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes, bereits 2018

Hier spielt auch das Bedürfnis nach einer sinnhaften Arbeit eine zentrale Rolle. In einer von Unsicherheit und Wandel geprägten Welt, sucht die Gen Z nach Tätigkeiten und Unternehmen, die ihren Werten und Überzeugungen entsprechen. Dazu gehört beispielsweise die Förderung von Diversität und Vielfalt oder die Übernahme von sozialer und ökologischer Verantwortung durch die Unternehmen. Unternehmen, die sich auf diese Bedürfnisse einstellen, können so junge Talente für sich gewinnen.


Was bleibt am Ende?

Ist die Gen Z nun „faul“? Die Antwort hat mehrere Facetten. Zum einen ist die Gen Z keine homogene Generation: Wie in jeder Generation gibt es individuelle Unterschiede, und längst nicht alle erfüllen die gängigen Klischees.


Dass die Gen Z keine homogene Gruppe ist, zeigt auch diese Diskussionsrunde im Format "13 Fragen" des ZDF, in der Vertreter:innen verschiedener Generationen über die Rolle von Gen Z in der Arbeitswelt streiten.


Das Selbstverständnis der Gen Z ist geprägt von Vielfalt, Sinnstiftung, sozialem Engagement und Flexibilität - und bringt damit frische Perspektiven auf gewohnte Routinen sowie einen neuen Sinn für Verantwortung in der Arbeitswelt. Für Arbeitgeber:innen liegt darin eine Chance, Arbeitskulturen und Führungsstile zu überdenken und weiterzuentwickeln. Zugleich befindet sich die Arbeitswelt in stetigem, digitalen Wandel - und genau hier kann die Gen Z durch ihre Technologie-Affinität einen wertvollen Beitrag leisten, von dem letztlich alle Generationen profitieren.


Wichtig ist daher, Angehörige der Gen Z nicht voreilig zu beurteilen oder in eine Schublade zu stecken. Vielmehr sollten ihre Fähigkeiten, ihre Anpassungsfähigkeit und eine gezielte Förderung ihrer Potenziale im Vordergrund stehen - damit Unternehmen und Führungskräfte gemeinsam mit ihnen die Arbeitswelt der Zukunft gestalten können.


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